Infoblatt für Flüchtlinge mit Behinderung

Infoblatt als pdf

Informationen für Flüchtlinge mit Behinderung
(für haupt- und ehrenamtlich Tätige in der Migrant*innen- und Flüchtlingshilfe)

Etwa 10 bis 15 % aller in Deutschland Asylsuchenden sind chronisch Kranke oder behinderte Menschen.*) Leider gibt es bislang kaum Informationen zum Thema Flüchtlinge mit Behinderung.

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die in Deutschland 2009 in Kraft getreten ist, gilt selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung nicht-deutscher Herkunft. In der UN-BRK verpflichten sich die Vertragsstaaten in Artikel 4 Absatz 1 (Unterpunkte h und i) unter anderem darauf:

für Menschen mit Behinderungen zugängliche Informationen über Mobilitätshilfen, Geräte und unterstützende Technologien sowie andere Formen von Hilfe, Unterstützungsdiensten und Einrichtungen zur Verfügung zu stellen“ sowie „die Schulung von Fachkräften und anderen mit Menschen arbeitendem Personal auf dem Gebiet der in diesem Übereinkommen anerkannten Rechte zu fördern, damit die aufgrund dieser Rechte garantierten Hilfen und Dienste besser geleistet werden können“.

Somit müssen alle Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen – und eben auch diejenigen mit Flüchtlings- oder Migrationshintergrund – optimale Beratungs-, Betreuungs- und Hilfeleistungen erhalten, die sie für eine volle und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe benötigen.

Leider zeigen sich nach einem Bericht des UN-Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen noch erhebliche Defizite bezüglich dieses Rechtes an Teilhabe, insbesondere bei Menschen mit Behinderung nicht-deutscher Herkunft. **) Diese Mängel betreffen besonders den Zugang zu sozialen Dienst- und Unterstützungs­leistungen sowie zur Gesundheitsversorgung.

Deshalb haben wir auf der Rückseite dieses Informationsblattes Anlaufstellen, Adressen und Links zusammengestellt, die für die Arbeit mit Flüchtlingen mit Behinderung nützlich sein können. ***)
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*) Die Studie „Hidden Victims“ (veröffentlicht 2014 von Handicap International und HelpAge) hat die Situation syrischer Flüchtlinge untersucht, und kommt sogar auf einen Anteil von 30 % chronisch Kranker, Verletzter oder Menschen mit Behinderung.

**) Im April 2014 hat der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderung zum Staatenbericht Deutschlands von 2011 vertiefende Fragen übersandt und Kritik geübt. Die Beantwortung erfolgte im August 2014, die „abschließenden Bemerkungen“ des UN-Fachausschusses vom April 2015 zeigen jedoch weiterhin deutliche Schwächen bezüglich des Schutzes vor mehrfacher Behinderung (Nicht-deutsche Herkunft + Behinderung + evtl. weiblich) auf.

***) Für die Anregung zu diesem Informationsblatt bedanken wir uns bei der AG „Selbst Aktiv“ Sachsen-Anhalt – Menschen mit Behinderungen in der SPD sowie bei kobinet e.V.

 

Zusammenstellung hilfreicher Anlaufstellen, Adressen und Links

 

Orientierungshilfe für das Leben in Deutschland:
Refugee Guide Online (in zahlreichen Sprachen) www.refugeeguide.de/

Medinetz = Netzwerk niedergelassener Ärzte (auch ohne Krankenversicherung).
Übersicht über die Standorte medizinischer Flüchtlingshilfen:
http://medibueros.m-bient.com/standorte.html

Blinden- und Sehbehinderten-Verband Nordrhein e. V. (BSVN)
Helen-Keller-Str. 5, 40670 Meerbusch, Telefon: 02159 – 96 55 0
eMail:  bsv-nordrhein@t-online.de, Internet: www.bsv-nordrhein.de

Blinden- und Sehbehinderten-Verband Westfalen e.V. (BSVW)
Märkische Straße 61-63, 44141 Dortmund, Telefon: 02 31/55 75 90-0
eMail: info@bsvw.de, Internet: www.bsvw.org/

Landesverband der Gehörlosen NRW e. V.
Simsonstraße 29/31, 45147 Essen
eMail: info@glnrw.de, Internet: http://www.lvglnrw.de/

Selbsthilfekontaktstellen in NRW: www.selbsthilfenetz.de

Für die Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) und die Anerkennung einer Schwerbehinderung ist in NRW die jeweilige Kommunalverwaltung (Amt für soziale Angelegenheiten) zuständig.

Ein Psychosoziales Zentrum (PSZ) für Migrantinnen und Migranten gibt es in NRW in 6 Städten – Aachen, Bielefeld, Bochum, Düsseldorf, Köln und Münster. Die Angebote sind kostenlos und können unabhängig vom Aufenthaltsstatus in Anspruch genommen werden. Die Kontaktdaten zu den jeweiligen PSZ sind hier zu finden: www.asyl.net/index.php?id=66

Die kommunalen Behindertenbeauftragten findet man unter
www.lbb.nrw.de/info_betroffene/ansprechpartner_vor_ort/index.php

Umfassende Informationen zu Ratgeber und Adressen, Angebot und Hilfe, Recht und Gesetze für Menschen mit Behinderung bietet das Internetportal Landesinitiative NRW inklusiv unter www.lebenmitbehinderungen.nrw.de

Herausgeberin:
Manuela Grochowiak-Schmieding MdL, Sprecherin für Sozialpolitik,
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag NRW, Platz des Landtags 1, 40221 Düsseldorf