Schlagwort-Archiv: Gesellschaft

Etwa 5 Millionen Menschen mit Down-Syndrom leben insgesamt weltweit, wobei diese genetische Besonderheit ziemlich gleichmäßig  in allen ethnischen Gruppen und Bevölkerungsschichten vorkommt. Das Down-Syndrom gehört damit zu einem der verbreitetsten angeborenen Syndrome. Die genetische Besonderheit besteht darin, dass das Chromosom 21 dreifach vorhanden ist. Aus diesem Grund wurde bewusst das Datum 21.03. für den „Welttag des Down-Syndroms“ gewählt.

In den vergangenen Jahrzehnten ist nicht nur die Lebenserwartung von Menschen mit dieser Veränderung signifikant gestiegen – von durchschnittlich 9 Jahren in Europa im Jahr 1929 auf etwa 60 Jahre in 20041.

Gestiegen ist auch die grundsätzliche Akzeptanz in der Bevölkerung, dass Menschen mit Down-Syndrom zu unserer Gesellschaft gehören und diese mit ihren verschiedensten Fähigkeiten bereichern. Besonders ihre sehr hohe soziale Kompetenz, ihre Empathie sowie ihr großes Einfühlungsvermögen in die Stimmungslage anderer und ihr Humor tragen dazu bei, ihre Mitmenschen für sie einzunehmen.

Immer wieder wird das Down-Syndrom auch in Fernsehserien oder Filmen thematisiert und damit einer breiteren Öffentlichkeit nahe gebracht. Bekannte Darsteller sind z.B. Christian Polster oder Laureen Potter

Eltern schreiben Blogs2 und geben so ein realistisches Bild vom Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom.

Frühförderung und inklusive Beschulung helfen diesen besonderen Kindern dabei, einen guten Zugang zu Bildung zu haben. Einige Menschen mit Down-Syndrom sind ziemlich bekannt geworden, weil sie sehr hohe Bildungsabschlüsse erreicht haben. So z.B. der Spanier Pablo Pineda, der einen Abschluss in Psychopädagogik hat, an einer Schule in Cordoba arbeitet und weltweit Vorträge für die Fundacion Adecco hält.

Besuchen Kinder mit Down-Syndrom Regelkindergärten und –schulen, dann helfen sie damit auch Kindern ohne Handicap und deren Familien. Denn wer als Kind den Umgang mit etwas „anderen“ Menschen als alltäglich und normal erlebt hat, wird auch als Erwachsener nur wenig Berührungsängste haben, wenn er Menschen mit Down-Syndrom oder mit Behinderung begegnet.

Trotz der positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre ist es leider immer noch so, dass sich Eltern, die sich bei entsprechender Diagnose in der Schwangerschaft bewusst für ein Kind mit Down-Syndrom entscheiden, für diese Entscheidung rechtfertigen müssen.

Stark umstritten ist daher auch der „PraenaTest“, mit dessen Hilfe anhand einer Blutprobe die Trisomien 21, 18 und 13 ausgeschlossen oder bestätigt werden können. Kritisiert wird er vor allem deshalb, weil ihm die Denkweise zugrunde liegt, dass Menschen mit Down-Syndrom „aussortiert“ gehören, womit die Botschaft transportiert wird, sie seien keine lebenswerten Mitglieder unserer Gesellschaft.

Aktuell hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Einleitung eines Bewertungsverfahrens dieser Nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) in den engen Grenzen einer Anwendung bei Risikoschwangerschaften beschlossen3. Ein erfolgreiches Ergebnis dieses Verfahrens hätte die Kasseneinführung des Tests zur Folge.

Trotz aller Kritik wurde der Test seit seiner Einführung im August 2012 bereits von tausenden Frauen angewandt und es sollte auch die nach erfolgter Diagnose getroffene Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch unbedingt akzeptiert werden. Wohl kaum eine Frau wird diese Entscheidung leichtfertig getroffen haben.

Der Film „24 Wochen“ stellt sehr gut dar, wie schwierig eine solche Entscheidung für die werdenden Eltern ist, auch wenn es im Film nicht speziell um die Diagnose Down-Syndrom geht.

Die meisten Eltern von Kindern mit Down-Syndrom sehen es aber wohl so wie Familie Meisterjahn, deren Sohn André das Down-Syndrom hat: „»Wegen André braucht uns keiner zu bedauern. Wir sind froh, dass wir ihn haben«, sagt Dagmar Meisterjahn mit Nachdruck. Im Gegenteil: Langsamkeit und Geduld habe er sie gelehrt, die Fähigkeit, Anteil zu nehmen, und nicht vorschnell über Menschen zu urteilen, die anders sind. »Ohne André wäre unser Leben ärmer – auch wenn es manchmal schwierig ist«, sagt Rainer Meisterjahn.“4

Die lippische Grüne Landtagsabgeordnete Manuela Grochowiak-Schmieding zeigt sich erleichtert über den gemeinsamen Beschluss aller Fraktionen zur zügigen Einrichtung eines Hilfsfonds für Opfer von Unrecht und Misshandlungen in Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie in den Jahren 1949 – 1990.

In ihrer heutigen Rede betont Grochowiak-Schmieding, sozialpolitische Sprecherin ihrer Fraktion: „Es ist mit Nichts zu begründen, dass bei den bisherigen Hilfsfonds Personen, die als Kinder und Jugendliche in Heimen der Behindertenhilfe oder psychiatrischen Einrichtungen misshandelt wurden, ausgeschlossen wurden. Denn das Ausmaß des durch physische und psychische Gewalt, des durch Missbrauch und Ausbeutung empfundenen Leids ist unabhängig davon, ob ein Mensch mit oder ohne Behinderung lebt.“

Sie erinnert daran, dass auch aktuell in unserer Gesellschaft täglich Gewalt ausgeübt wird. „Immer noch werden allgemein Unterschiede – gut oder schlecht, schwarz oder weiß – bewertet. Menschen werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt und diskriminiert.“ „Lassen Sie uns ebenso einmütig wie jetzt in diesem Antrag für gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung für alle einsetzen, auf dem Weg zu einer wirklich toleranten, offenen und verantwortungsbewussten Gesellschaft.“, so der dringende Appell von Grochowiak-Schmieding.

Derzeit fehlt es für die Einrichtung eines solchen Fonds noch an einer Einigung über die Finanzierung durch den Bund, die Länder und die Kirchen.

Mit dem heute verabschiedeten Antrag, den die Fraktionen von Grünen, SPD, CDU, FDP und Piraten  gemeinsam eingebracht haben (Drs. 16-8636), wird die Landesregierung aufgefordert, sich für die Einrichtung eines solchen Hilfsfonds einzusetzen. Desweiteren soll sie auf die anderen Bundesländer einwirken, um zu einer zeitnahen Einigung zu finden sowie ihren Länderanteil für einen Fonds zur Verfügung stellen.

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Manuela Grochowiak-Schmieding: „Wir müssen für gleichberechtigte Teilhabe bei Bildung und Arbeit sorgen und damit den Menschen die Chance auf ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben geben.“

Bereits zum 6. Mal wird am 20. Februar der „Welttag der sozialen Gerechtigkeit“ begangen.  Um darauf aufmerksam zu machen, dass wir vom Ziel einer sozialen Gerechtigkeit noch weit entfernt sind, wurde dieser Gedenktag 2009 durch die UNO ins Leben gerufen.

Soziale Gerechtigkeit – dazu gehören unter anderem gerechte Einkommensverteilung, kostenfreier Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie Geschlechtergerechtigkeit – ist ein wichtiger Garant für den Zusammenhalt und Frieden in unserer Gesellschaft und zwischen den einzelnen Nationen. Extreme soziale Ungleichheit schädigt das Vertrauen in die Politik und die Demokratie, beeinträchtigt das wirtschaftliche Wachstum, schürt Kriminalität und gewaltsame Konflikte und fördert soziale und gesundheitliche Probleme, wie z. B. psychische Erkrankungen.

Weltweit ist eine Zunahme der sozialen Ungleichheit zu verzeichnen. Etwa 70 % der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen der Abstand zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist.

Laut neuesten Erkenntnissen der Hilfsorganisation „Oxfam“ besitzen die 85 reichsten Menschen der Erde genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen (ca. 3,5 Milliarden Menschen). Bei gleichbleibender Entwicklung wird schon 2016  nur 1 % der Bevölkerung mehr Vermögen besitzen, als der Rest der Welt zusammengenommen.

Dass die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, zwischen 1999 und 2011 um fast die Hälfte gesunken ist, ist eine erfreuliche Entwicklung. Allerdings können weltweit noch immer 58 Millionen Kinder keine Grundschule besuchen und weiteren 63 Millionen bleibt der Zugang zu Sekundarbildung verwehrt.

Deutschland ist ein wohlhabendes Land und doch kann von sozialer Gerechtigkeit auch in unserem Land keine Rede sein.

  • So ist es zwar jedem Kind grundsätzlich möglich die Schule zu besuchen, aber welche Schulkarriere ein Kind einschlägt, ist immer noch in zu hohem Maße davon abhängig, aus welchem kulturellen oder sozialen Milieu seine Familie stammt.
  • Die 5 reichsten Deutschen besitzen so viel Vermögen wie 40% der  Bevölkerung. Auch die Bürgerinnen und Bürger nehmen diese Ungleichheit wahr – so äußerten in einer Umfrage der AWO (2014) 88 % der Befragten die Meinung, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich in den vergangenen zehn Jahren größer geworden sind.
  • Zur sozialen Ungleichheit tragen ebenfalls die noch immer vorhandenen Geschlechterunterschiede  bei, sehr deutlich zum Beispiel bei der ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen, die ein und dieselbe Tätigkeit ausüben. Frauen stellen die überwältigende Mehrheit bei Niedriglohnjobs und in sehr prekären Beschäftigungsbereichen, während Männer an der Spitze der Einkommensskala überrepräsentiert sind.

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2014) sind in Deutschland 1,64 Millionen Jungen und Mädchen unter 15 Jahren arm oder von Armut bedroht, weil sie in Familien leben, die auf Hartz IV angewiesen sind. Nicht nur, dass diese Kinder auf vieles verzichten müssen, ihre Lebensverhältnisse wirken sich auch negativ aus auf ihr späteres Erwachsenenleben. Denn Armut wird fast immer an die nächste Generation weitergegeben.

Damit die – tatsächliche und gefühlte – soziale Ungerechtigkeit nicht noch weiter zunimmt und der soziale Friede auch weiterhin gewahrt bleibt, ist noch viel zu tun.

Weltweit müssen die Anstrengungen verstärkt werden, um

  • jedem Kind Zugang zu Bildung - auch nach der Grundschulzeit – zu ermöglichen. Dazu gehört auch die Abschaffung von Schulgebühren; in Uganda konnte so die Einschulungsquote innerhalb eines Jahres um 73 % erhöht werden.
  • eine gute öffentliche Gesundheitsfürsorge bereitzustellen, denn gesund zu sein ist eine Grundvoraussetzung, um arbeiten zu können und Geld zu verdienen.
  • Steuergerechtigkeit herzustellen. Um soziale Leistungen auszubauen benötigen Regierungen finanzielle Mittel, die sie vor allem über Steuereinnahmen erzielen. Insbesondere wohlhabende Bevölkerungsteile und international agierende Konzerne müssen ihren fairen Anteil an der Staatsfinanzierung leisten. Durch Steuervermeidung transnationaler Konzerne entgehen armen Ländern über 100 Mrd US-Dollar pro Jahr – das ist fast so viel wie die jährliche weltweite Entwicklungshilfe (rund 130 Mrd Dollar).

In Deutschland setzen wir Grüne uns ein für

  • Mindestlohn und faire Entlohnung die keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen macht und auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderung vorbehaltlos einbindet
  • Bildungsgerechtigkeit durch längeres gemeinsames Lernen statt frühem Aussortieren
  • eine solidarische Bürgerversicherung als gerechtere Alternative zu der bisher faktisch stattfindenden Zwei-Klassen-Medizin
  • die Verwirklichung  des inklusiven Gedankens in allen Lebensbereichen, um allen Menschen eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen

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Im Jahr 1990 haben die Vereinten Nationen den Internationalen Tag der älteren Menschen ausgerufen. Damit sollen die Mitmenschen an eine immer älter werdende Gesellschaft erinnert werden, aber auch auf die unhaltbare Situation vieler älterer Menschen in den Entwicklungsländern aufmerksam gemacht werden.

Laut des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wird es in Deutschland im Jahr 2060 fast so viele 80-Jährige und Ältere geben wie unter 20-Jährige. Dieser demografische Wandel stellt eine Herausforderung für Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheits- und Sozialsysteme dar.

So ist die Gesundheitsförderung weiter zu verbessern und das Thema Pflege bedarf weiterer großer Kraftanstrengungen, wenn es auch weiterhin gelingen soll, Ältere menschenwürdig zu pflegen und dabei deren Angehörige sowie das Pflegepersonal nicht noch stärker zu überfordern.

Weiteres Augenmerk muss auf die Erwerbstätigkeit älterer Menschen gerichtet werden. Gerade in NRW ist die Arbeitslosigkeit in der Altersklasse der 55- bis 64jährigen sehr hoch und weiter steigend. 2012 gingen nicht einmal 60 Prozent dieser Altersgruppe einer Erwerbstätigkeit nach. Die Problematik Altersarmut wird dadurch verschärft, denn weniger Erwerbsjahre bedeuten auch weniger Rente.
Hinzu kommt die Tatsache, dass 4 von 5 älteren Sozialhilfeempfängern langfristig auf diese Unterstützungsleistungen angewiesen sind.

Neben einer inTeilen verarmten älteren Generation droht der Verlust von Wissen und Erfahrung. Ältere Arbeitnehmer und ihre langjährige Arbeits- und Lebenserfahrung sind für jedes Kollegium eine Bereicherung.

Viele Ältere beginnen gerade in späten Jahren ein Ehrenamt, um so ihr Wissen weiterzugeben, aber natürlich auch, weil sie eben noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehören.
In mancher Kommune bilden sie das Rückgrat sozialer und kultureller Einrichtungen. Ehrenamtliches Engagement verdient höchste Anerkennung.

Für eine starke Wirtschaft und eine lebenswerte Gesellschaft sollte es Allen ein Anliegen sein, die ältere Generation und ihre Arbeitskraft zu honorieren.

Der Welttag der Aufklärung über Autismus findet jährlich seit 2008 statt und wurde von den Vereinten Nationen initiiert. Ziel dieses Gedenktages ist unter anderem die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Menschen im „Autismus-Spektrum“ (im Folgenden kurz – Autismus). Es soll überhaupt ein Bewusstsein für Autisten geschaffen und deren Akzeptanz in der Gesellschaft erhöht werden.

Weiterhin gilt es, das unermüdliche Engagement und die Einsatzbereitschaft vieler Eltern und Angehörigen zu würdigen. Denn noch immer müssen Betroffene und ihre Angehörigen gegenüber Ärzten, Behörden und Kostenträgern um Diagnosestellungen, spezifische Förderung und die Gewährung von Nachteilsausgleichen kämpfen.

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