Schlagwort-Archiv: selbstbestimmt

Beratung und Unterstützung für Menschen mit Behinderung „peer to peer“, also von Betroffenen für Betroffene, leisten schon seit Jahren die beiden Kompetenzzentren in Dortmund (mobile) und Köln (Kompetenzzentrum für selbstbestimmtes Leben).

Nunmehr erhalten – dem Willen der Regierungsfraktionen in NRW entsprechend – alle Regierungsbezirke ein solches Zentrum. Die Lippische Abgeordnete und sozialpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Manuela Grochowiak-Schmieding, dazu: „Ich freue mich sehr, dass nun im Regierungsbezirk Detmold die Beratungs- und Begegnungsstätte für Menschen mit Behinderung, das ,Cafe 3b‘ in Bielefeld, mit der Arbeit beginnen kann. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass NRW in allen Landesteilen solche Kompetenzzentren zur Beratung von Menschen mit Behinderung anbietet, um Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Mit dem am Freitag an das ‚Cafe 3b‘ überreichten Förderbescheid des Landes wird ein weiterer Schritt zu einem inklusiven NRW getan.“

Hintergrund: Regierungspräsidentin Thomann-Stahl übergibt am Freitag, 15. April 2016, den Förderbescheid des Landes NRW für das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben über 1,18 Millionen Euro an das „Cafe 3b“ in Bielefeld. Damit wird der Antrag der Fraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen aus dem Jahr 2014 umgesetzt.

Ende dieser Woche wird im Bundestag über die Zukunft von Sterbehilfe und Hospiz- und Palliativversorgung abgestimmt. Zu diesem Thema hatte am 26. Oktober 2015 der Arbeitskreis Gesellschaftspolitik des kfd (katholische Frauen Deutschland) Diözesanverbandes Paderborn eingeladen.

Die „Aktuelle Stunde – kfd trifft Politik“ war ein Beitrag zur aktuellen Debatte, die sich auch mit Beihilfe zum Suizid beschäftigt. Das Thema Sterbehilfe hat mich persönlich schon in den frühen Jahren meines beruflichen Werdeganges, aber auch im privaten Umfeld beschäftigt. Und ich nutze die Gelegenheit zur Diskussion gerne, um über Leben und Sterben zu sprechen. Wenn das Leben zu Ende geht oder ein Weiterleben als unerträglich empfunden wird, muss den Betroffenen jede gewünschte Beratung, Hilfe und Unterstützung zuteil werden – zu Hause, in der Pflegeeinrichtung, im Hospiz oder dem Krankenhaus. Die meisten Menschen möchten gerne zu Hause, und zwar ohne Qual und Schmerz, sterben.

Mitunter gibt es, aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus, den Wunsch, das eigene Leben zu beenden. Enttabuisieren ist wichtig, und die Gesellschaft muss sich damit beschäftigen.

Gemeinsam mit den Kollegen Christian Haase MdB und Walter Kern MdL von der CDU bezogen wir Stellung zu den vier unterschiedlichen Gesetzesvorlagen auf Bundesebene und erörterten Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung von Palliativ- und Hospizversorgung in NRW.

Während Haase und Kern eine Einschränkung bestehender Möglichkeiten in der Beihilfe zum Suizid favorisieren, bin ich der Auffassung, dass die Menschen sicher sein wollen, dass sie gut beraten werden und dass ihnen geholfen wird. Sie brauchen aber auch die Sicherheit, allein und selbstbestimmt entscheiden zu können. Insofern meine ich, dass wir mehr Fürsorge brauchen, aber nicht mehr Strafrecht.

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Wer möchte schon ins Heim? Niemand!
Dennoch beschäftigt uns früher oder später das Thema.

Krankheit, Behinderung oder ganz einfach das Alter können zu anderem oder mehr Unterstützungsbedarf führen. Das muss nicht zwangsläufig die Unterbringung in einer stationären Einrichtung bedeuten.

Es gibt gute Alternativen und mit der Ausschwärmaktion am 09.06.2015 möchte die GRÜNE Landtagsfraktion darauf aufmerksam machen. Alle 29 grünen Abgeordneten haben an diesem Dienstag Institutionen besucht, die sich mit alternativen Wohnkonzepten und Unterstützungsformen beschäftigen.

Ich habe drei Projekte in meinem Wahlkreis Lippe besucht:

1)    Den Senioreninformationsdienst (SinfoL) in Augustdorf
2)    Das Cafe Vielfalt in Lemgo
3)    Den Pöstenhof in Lemgo

Senioreninformationsdienst (SinfoL) in Augustdorf

SinfoL habe ich 2012, noch als Abgeordnete im lippischen Kreistag, mit aus der Taufe gehoben.  Damals wurde beschlossen, ein Projekt zu entwickeln, mit dem ältere Menschen Informationen zu unterschiedlichsten, für sie interessanten Angeboten erhalten sollten. Mittlerweile läuft das Projekt in Augustdorf und Schieder-Schwalenberg und im Gespräch mit den Akteur*innen habe ich den Eindruck gewonnen, dass mit diesem Angebot „offene Scheunentore eingerannt werden“.

Durch den Kreis Lippe initiiert, besuchen ehrenamtliche Mitarbeiter*innen Menschen ab 70 Jahren zu Hause und informieren über bestehende Angebote vor Ort. Bei Bedarf wird Beratung zu speziellen Fragen wie z.B. der Wohnraumberatung oder dem Betreuungsrecht, vermittelt. Die Ehrenamtlichen werden von Frau Ottemeier, einer professionellen Mitarbeiterin der Kreisverwaltung, unterstützt.

Im Gespräch mit Ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen von SinfoL sowie Frau Ottemeier (rechts)

Im Gespräch mit Ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen von SinfoL sowie Frau Ottemeier (rechts)

Die Erfahrungen der letzten beiden Jahre bestätigen, dass die meisten Menschen nicht wissen, was ihnen zusteht oder wohin sie sich bei Bedarf wenden können.

Meine Gesprächspartner*innen konnten sehr überzeugend deutlich machen, dass durch gute Beratung und Unterstützung der Verbleib in der gewohnten häuslichen Umgebung ermöglicht, in vielen Fällen zumindest verlängert werden kann.

Cafe Vielfalt in Lemgo

Das Cafe „Vielfalt“ in Lemgo gibt es seit fünf Jahren und ist gefühlt für viele bereits eine alteingesessene Institution.  Es gehört zum Haus der Vielfalt der Stiftung Eben Ezer und wird von Ina Meise-Laukamp mit viel Engagement geführt. Das Cafe bietet berufliche Qualifizierung und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung, die von  der Stiftung Eben Ezer und der Lebenshilfe Lemgo e.V. betreut werden. Sie sind in der Küche und im Service tätig.

Ina Meise-Laukamp, Leiterin des Cafe Vielfalt (links) berichtet über das Cafe

Ina Meise-Laukamp (links), Leiterin des Cafe Vielfalt berichtet über das Cafe

Außerdem gibt es im Haus zwei Wohnungen für ambulant betreutes Wohnen und eine Kreativwerkstatt.

Im Haus der Vielfalt treffen Unterschiedlichkeit und verschiedene Talente ganz selbstverständlich zusammen. Ein wunderbares Beispiel für gelingende Inklusion!

Pöstenhof in Lemgo

Der Pöstenhof ist ein gemeinschaftliches Wohnprojekt auf dem Gelände einer ehemaligen Konservenfabrik und liegt innerhalb eines Quartiers der Wohnbau Lemgo e.G. mit Wohnbestand aus den 50er Jahren.

Flyer des Pöstenhof

Flyer des Pöstenhof

Heute gibt es dort 132 modernisierte Wohneinheiten, 1 Wohngruppe für 8 Personen, 1 Nachbarschaftszentrum inkl. Gästewohnung, sowie ein Bäcker mit Nachbarschaftscafé und eine Boule-Bahn.

Ein Blick auf das Wohnprojekt Pöstenhof

Ein Blick auf das Wohnprojekt Pöstenhof

Im Nachbarschaftszentrum ist die Freie Altenhilfe Lemgo e.V. tätig. Dort werden Mahlzeitendienste, Beratungsleistungen und gemeinschaftliche Freizeitaktivitäten angeboten.

Beim Pöstenhof  selbst handelt es sich um einen barrierefreien Neubau.
Die Wohnbau Lemgo e.G. realisierte hier 33 Wohneinheiten, eine Gästewohnung sowie Gemeinschaftsräume und Außenflächen für gesellige Aktivitäten. Starke Nachfrage erfährt die Tagespflegestelle im Erdgeschoss.

Die Bewohner*innen der Wohnanlage sind Mitglied des Vereins „Pöstenhof Lemgo e.V.“ und stehen für gemeinschaftliches Wohnen von Jung und Alt. Nachbarschaftspflege und Aufgabenteilung in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften werden hier groß geschrieben.

Andreas Riepe (links) von der Wohnbau Lemgo e.G. sowie Vertreterinnen des Bewohnervereins stellen die Wohnanlage Pöstenhof vor

Andreas Riepe von der Wohnbau Lemgo e.G. sowie Vertreterinnen des Bewohnervereins stellen die Wohnanlage Pöstenhof vor

Beginnend von der Planung, hat die Zusammenarbeit der Wohnbau Lemgo mit dem Verein bei den Bewohner*innen zu einer hohen Identifikation mit dem Quartier und großen  Zufriedenheit geführt. Die Menschen fühlen sich hier geborgen, was insbesondere den Älteren ein Gefühl der Sicherheit bietet.

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“Wir reden mit!” – aktive Partizipation von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft

Als Bürgerinnen und Bürger unseres Landes haben Menschen mit Behinderung – ebenso wie alle anderen – den Anspruch, aktiv am öffentlichen Leben teilzuhaben. Sie möchten mitgestalten und mitbestimmen, insbesondere in Angelegenheiten, die sie direkt betreffen. Dazu gehören die Teilhabe am Arbeitsleben sowie am politischen und öffentlichen Leben, an Kultur, Sport, Freizeit und Erholung. Die individuelle Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, ist ein Grundrecht, das auf der Menschenwürde basiert und auch in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen als erster Grundsatz genannt wird (Art.3).
Nur, wer eine Auswahl hat, kann in Freiheit eigene Entscheidungen für sein Leben treffen.

Der internationale Tag der Menschen mit Behinderung ist Anlass, einmal mehr genauer hinzusehen, was erreicht und was noch nicht erreicht ist.

Ausbau und Weiterentwicklung von Kompetenzzentren in NRW beschlossen

Kompetenzzentren für selbstbestimmtes Leben bieten Menschen mit Behinderung Beratung, Hilfe und Unterstützung. Ihre Arbeit ist auch deshalb so gut und erfolgreich, weil hier nach dem Prinzip gearbeitet wird: Betroffene beraten Betroffene.

Zur Zeit gibt es zwei solcher Zentren – in Köln und in Dortmund. Weil diese beiden Zentren nicht dem Bedarf von ganz NRW gerecht werden können, hat die rot-grüne Koalition beschlossen (Drs. 16-5482), die Anzahl der Kompetenzzentren auszuweiten und qualitativ weiterzuentwickeln. (TOP 5, Plenarsitzung 10.04.2014) Dabei ist es uns wichtig, dass bereits bestehende qualifizierte Institutionen, wie z.B. die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe und das Netzwerk Frauen und Mädchen mit Behinderung, in diesen Prozess einbezogen werden.

Inklusionsstärkungsgesetz auf den Weg gebracht

Im Oktober dieses Jahres hat die rot-grüne Landesregierung den Entwurf eines Gesetzes „zur Stärkung der Sozialen Inklusion in NRW“ auf den Weg gebracht. Mit diesem Gesetz wird endlich Rechtssicherheit herbeigeführt, denn es nimmt Anpassungen und verbindliche Regelungen zur Stärkung der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung vor.

Wesentliche Inhalte sind neben allgemeinen Inklusionsgrundsätzen die sogenannte Hochzonung der Zuständigkeit für das selbstständige Wohnen von Menschen mit Behinderung von den Kommunen auf die Landschaftsverbände, Regelungen zur Erleichterung der eigenständigen Ausübung des Wahlrechts von Menschen mit erheblichen Sehbehinderungen und Anpassungen in der Verordnung für barrierefreie Dokumente. Ebenso enthalten ist die Weiterentwicklung der Kommunikationshilfen-Verordnung, die insbesondere die Unterstützung gehörloser Eltern hörender Kinder im Fokus hat.

Höhere Zuweisungen für Betreuungsvereine in NRW

Des weiteren hat Rot-Grün im Haushaltsjahr 2015 die Zuweisungen des Landes an die für die rechtliche Betreuung notwendigen Betreuungsvereine aufgestockt. Dies stellt ein wichtiges Signal und einen ersten Schritt dar zur Weiterentwicklung der ehrenamtlichen Betreuung.

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Eine Veranstaltung mit Gesundheitsministerin Barbara Steffens in Oerlinghausen

„Selbstbestimmt Leben im Alter“ lautete das Thema am 09. Mai in Oerlinghausen, mit Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. 

Viele Menschen wollen auch im Alter möglichst selbstständig zu Hause leben oder eine gemeinschaftliche Wohnform in Anspruch nehmen, ohne auf eine gesicherte Pflege oder Unterstützung verzichten zu müssen.  Wie ein selbstbestimmtes Leben im Alter und eine altersgerechte Stadtteilentwicklung aussehen kann, erläuterten Ministerin Barbara Steffens und Harald Wölter, Vorstandsmitglied des Vereins Ambulante Dienste Münster e.V. sowie ich als sozialpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion.

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