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„SCHULDEN MACHEN KRANKheit macht Schulden“…

… so lautet das Motto der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatungen [vom 06.06. – 10.06.], jährlich ausgerufen von der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV).

Die Arbeitslosenzahlen sinken, Wirtschaftsunternehmen feiern steigende Gewinne – und doch wächst die Zahl derer, die in Armut leben und von Schulden bedroht sind.

Existenzängste – wie drohende Energiesperren, Räumung der Wohnung, Verlust sozialer Kontakte – gehören für überschuldete Menschen zum Alltag. Diese besonderen Belastungen machen sich auch beim Gesundheitszustand der Betroffenen deutlich bemerkbar. Und eine angegriffene Gesundheit führt letztlich zu eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben.

Andersherum kann aber auch Krankheit die Ursache für Überschuldung sein: Erkrankung,  Sucht oder ein Unfall sind mittlerweile die Hauptauslöser für mehr als jede siebte Überschuldung in Deutschland (Überschuldungsstatistik 2015 des Statistischen Bundesamtes). Die Betroffenen kämpfen dann an zwei Fronten – gegen die Krankheit und gegen die Überschuldung.

Oftmals führt eine Krankheit zu einer Berufsunfähigkeit und es muss eine andere, häufig schlechter bezahlte, Tätigkeit aufgenommen werden. Der geringere Verdienst bedeutet dann, daß z.B. vor der Krankheit aufgenommene Kredite nicht mehr bedient werden können. Es beginnt eine Abwärtsspirale, aus der die Betroffenen allein nicht mehr herausfinden. Aus Scham werden die meisten sozialen Kontakte abgebrochen, so dass auch diese Unterstützung nicht mehr greift.

Es ist ein Unding, wenn Menschen einer Vollzeittätigkeit nachgehen, aber das Gehalt so niedrig ist, dass davon die Existenz nicht gesichert werden kann. Grundsätzlich muss gelten, dass jede Arbeit – und sei sie noch so einfach -, anständig bezahlt wird. Dem entsprechend muss der Mindestlohn steigen.

Der Teufelskreis aus Krankheit und Schulden wird häufig noch dadurch befeuert, dass viele Überschuldete ärztliche Untersuchungen nicht durchführen lassen oder Medikamente nicht kaufen, da diese mit Zuzahlungen aus dem eigenen Budget verbunden sind.

Es sind vor allem Selbstständige mit geringem Einkommen, die durch zu hohe Krankenkassenbeiträge in finanzielle Not geraten können. Nicht gezahlte Beiträge – ob nun privat oder freiwillig gesetzlich krankenversichert – führen nicht nur zu einer weiteren Erhöhung der Schulden, sondern auch zu einer Notversorgung, d.h. einer medizinischen Versorgung auf Sparflamme. Dadurch können Spätfolgen verursacht werden, die langfristig von der Gemeinschaft der Versicherten zu tragen sind. Auch hier: ein Teufelskreis!

Dieser Gruppe muss eine angemessene Absicherung in der Krankenversicherung ermöglicht werden. Die momentane Beitragsberechnung, nämlich ein pauschales Durchschnittseinkommen zugrunde zu legen, wird dem nicht gerecht.

Bei Überschuldung bieten die Schuldnerberatungsstellen notwendige und professionelle Hilfe an. Sie helfen den Betroffenen bei der Abschichtung ihrer aus der Überschuldung entstehenden Probleme.

Neben einer Strategie, die dazu beiträgt, entstandene Schulden Schritt für Schritt zu begleichen, ist die psychosoziale Ebene von großer Bedeutung. Denn die Gewissheit, den existenzbedrohenden Schulden nicht allein und hilflos ausgeliefert zu sein, trägt auch dazu bei, die Gesundheit zu stabilisieren.

Eine bedarfsgerechte Finanzierung ist für diese professionelle Arbeit unbedingt notwendig. Die Vergabe öffentlicher Fördermittel und Subventionen sollte jedoch immer auch daran geknüpft werden, wie die einzelnen Vereine, Verbände oder Institutionen soziale Kriterien erfüllen. So sollten Teilhabe und Selbstbestimmung der zu Unterstützenden im Vordergrund stehen – und nicht die Gewinnmaximierung.

Im Kreis Lippe stehen die Arbeiterwohlfahrt und Parisozial Lippe/Gütersloh Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite – kostenlos. Ein multiprofessionelles Team, das über juristische, kaufmännische und sozialpädagogische Qualifikationen verfügt, bietet jährlich zwischen 700 und 800 Bürgerinnen und Bürgern Hilfe an.

Nicht nur die soziale Schuldnerberatung gilt es in noch größerem Maße flächendeckend auszubauen. Weiterreichende, alle Lebensbereiche umfassende Beratungs- und Unterstützungsstrukturen müssen weiter entwickelt werden. Noch immer führen sozialer Status, Behinderung, chronische Krankheit oder kultureller Hintergrund zu Ausgrenzung aus unserer Gesellschaft. Entsprechend ausgestattete Unterstützungsangebote im Quartier, also im unmittelbaren Lebensumfeld, helfen allen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ermöglichen Begegnungen. Darüber hinaus können Kompetenzen vermittelt werden, die den am Rande der Gesellschaft Stehenden dabei helfen, ihre eigene Stimme einzusetzen und sich selbst für ihre Rechte stark zu machen.

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