Wahlkreis Lippe

Lippische Rose

Lippische Rose

LIPPE – neben Westfalen und dem Rheinland kleinster Landesteil Nordrhein-Westfalens – ist immer eine Reise wert. Die große, alles prägende Stadt findet man hier nicht, aber dafür viele mittlere und kleine Orte mit wunderschönen Altstädten, die zum Flanieren einladen. So bezaubern die Residenzstadt Detmold und die alte Hansestadt Lemgo mit ihren Fachwerkbürgerhäusern und gut erhaltenen Bauten der Weserrenaissance. Entdeckt werden wollen auch Blomberg mit seiner mächtigen Burg oder die Künstlerstadt Schieder-Schwalenberg.

Die  großartige Mittelgebirgslandschaft des Naturparkes Teutoburger Wald/Eggegebirge mit ihren dichten Eichen- und Buchenwäldern lädt zum Wandern und Entdecken ein – seltene Arten wie Schwarzstorch, Uhu oder Wildkatze leben hier.  Und während der äußerste Norden Lippes von den Flussauen des Wesertales geprägt ist, entfaltet sich zwischen Oerlinghausen und Schlangen die bedeutendste Heidelandschaft Nordrhein-Westfalens, die Senne.  Bis 2018 soll der Abzug des in der Senne agierenden britischen Militärs beendet sein. Um darauf vorbereitet zu sein, muss schon jetzt sinnvoll gestaltet werden.

Flugplatzfest

Flugplatzfest auf dem Oerlinghauser Segelflugplatz (Foto: FGOe)

Ein Gutachten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bestätigte 2008 die Eignung des Raumes Teutoburger Wald/Eggegebirge als Nationalpark. Jedoch hat der Kreis Lippe nach vier Jahren Planung im Januar 2013 alle Aktivitäten zur Ausweisung eines Nationalparks eingestellt.

Die Errichtung solch eines Nationalparks ist in der Bevölkerung auf breite Zustimmung gestoßen. Er ist nicht nur wichtig für die Umweltbildung und Naturpädagogik, er bietet auch Entwicklungschancen für die Region und könnte sich zu einer  zugkräftigen regionalen Marke entwickeln, die Touristen länger vor Ort hält.  Daher lohnt es sich dieses Projekt auch zukünftig voranzutreiben und insbesondere die Senne unter höchstmöglichen Schutz zu stellen.

Stadtwappen Oerlinghausen

Stadtwappen Oerlinghausen

Seit 1992 lebe ich in Oerlinghausen, mit etwa 17.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die siebtgrößte Stadt im Kreis Lippe, idyllisch in grüner Umgebung am Teutoburger Wald gelegen und sich stolz Bergstadt nennend. Soziologen ist sie ein Begriff, da hier die Frauenrechtlerin Marianne Weber geboren wurde und Niklas Luhmann seine letzten 20 Lebensjahre verbrachte. Sportflieger haben sicher schon einmal vom Segelflugplatz Oerlinghausens gehört. Mit seinen rd. 25.000 Flugzeugbewegungen gilt er als einer der beiden größten seiner Art in Europa.

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

Hallenhaus im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen (Foto: AFM)

Überregional bekannt und immer ein Besuch wert ist das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen, welches das Leben von der Steinzeit bis zum frühen Mittelalter anschaulich vermittelt.

Freilichtmuseum Detmold

Häuser des Freilichtmuseums Detmold (Foto: FM Detmold)

Überhaupt begegnet man der Geschichte dieser Region auf Schritt und Tritt. Allerorten stößt man auf steinerne Zeugen wie Burgen und Schlösser, Klöster und historische Ortskerne.

Heute laden 23 Museen in Lippe mit ganz unterschiedlichen, aber immer hervorragend gestalteten Schwerpunkten dazu ein, in die Vergangenheit zu tauchen und die Region und ihre Arbeitsweisen kennenzulernen. Da wären z.B. das Freilichtmuseum in Detmold, das Ziegeleimuseum in Lage oder die Papiermühle Plöger in Schieder-Schwalenberg.

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

Schwein im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen (Foto: AFM)

Auch Erholungssuchende oder Kurgäste werden in Lippe fündig. Ein Reichtum an natürlichen Heilmitteln wie Sole, Moor, Schwefel, kalten und warmen Heilwässern sorgt dafür, dass die Region als „Heilgarten Deutschlands“ bundesweit bekannt ist.

Zudem verfügt die Gesundheitsregion Lippe über eine leistungsfähige, breit aufgestellte Gesundheitswirtschaft und renommierte klinische Einrichtungen sowie Lehrkrankenhäuser in der Klinikum Lippe GmbH welche in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten arbeiten. Um den Gesundheitsstandort in Lippe weiter zu stärken wurde 2009 die Gesundheitsstiftung Lippe als selbstständige Stiftung gegründet.

Als Zugezogene – und das ist man durchaus noch nach mehr als 20 Jahren – tut man sich anfangs etwas schwer mit den LipperInnen. Denn sie sind schon ein eigener Menschenschlag.

Schon immer legten sie Wert auf Unabhängigkeit und sind stolz auf 800 Jahre regionale Eigenständigkeit. Die LipperInnen sind aber auch ein weltoffenes und gastfreundliches Völkchen, das seine Herzlichkeit auch ohne viele Worte ausdrücken kann – typisch lippisch eben.

Typisch lippisch ist die sprichwörtliche Sparsamkeit der Bewohner. So sollen die Lipper den Kupferdraht erfunden haben, weil sie den Pfennig so oft umgedreht hätten, bis daraus eben der Kupferdraht geworden sei. Und bei der „Lippischen Erfrischung“ ist nicht etwa von einer kulinarischen Spezialität die Rede, sondern von einem geöffneten Fenster.

Soziales Engagement wird hier groß geschrieben. Unter Fürstin Pauline zur Lippe, Regentin des Fürstentums Lippe Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der erste Kindergarten Deutschlands gegründet. Ebenfalls im 19. Jahrhundert wurde die Stiftung Eben-Ezer gründet, eine über die Region hinaus bekannte Organisation, die sich für sozial benachteiligte Menschen einsetzt.

Alleine die Vielzahl an Selbsthilfegruppen (derzeit 180) und der ca. 460 Sportvereine zeugt vom großen ehrenamtlichen Engagement der Menschen.

Doch wie sieht die Zukunft Lippes aus? Es wird großer Anstrengung bedürfen, die prognostizierte Bevölkerungsabwanderung aufzuhalten und Lippe auch für folgende Generationen lebenswert zu gestalten.

Schon heute fehlen Fachkräfte in vielen Bereichen, so in der Metall- und Elektrowirtschaft, in den Gesundheitsbetrieben und in der Pflege und Erziehung. Die demografische Entwicklung wird diese Situation noch verschärfen. Doch Lippe wie die gesamte Region OWL hat ein großes Potential und es gibt viele gute Ansätze/Ideen diesem negativen Trend entgegenzuwirken. So arbeiten Beteiligte aus Kammern, Hochschule, Unternehmen, Bildungsträgern, Stiftung, Wirtschaftsförderung, Theater, Agentur für Arbeit, Netzwerk Lippe und Kreis Lippe bis hin zu engagierten Privatpersonen in der 2008 gegründeten Bildungsgenossenschaft Lippe Bildung eG mit. Sie engagieren sich in der schulischen und außerschulischen Nachwuchsförderung vor allem in naturwissenschaftlich-technischen Bereichen und bei weiteren Angeboten für das Duale Studium und der beruflichen Weiterbildung.

Überaus erfolgreich und über die Region hinaus bekannt ist das Spitzencluster „It´s OWL“. Ein Technologie-Netzwerk für intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe in dem 174 Clusterpartner kooperieren.

Der Weg in eine für die nächsten Generationen attraktive Zukunft wird steinig – das haben vor allem die letzten Jahre der Planung für einen Nationalpark gezeigt -, aber es gibt viele engagierte Menschen vor Ort, denen das Wohl Lippes am Herzen liegt. Und so bin ich sicher – es ist vieles geschafft, es liegt noch einiges vor uns, aber wir werden gemeinsam an einer guten Zukunft arbeiten.